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Hier finden Sie die Presseartikel über den Orchesterverein aus dem Jahre 2012. Rechts können Sie die verschiedenen Anlässe direkt auswählen.


Orchesterverein Hilgen: Der Gipfel der Leidenschaft

Von Ekkehard Rüger

Der Orchesterverein Hilgen wollte der Stadt und sich selbst zum 100-Jährigen einen unvergesslichen Abend bescheren. Es ist ihm gelungen.

Warum keine Oper ohne Gesang? Johannes Stert hatte zum Jubiläum sein Herzenswerk „Otello“ von Verdi für Blasorchester bearbeitet.
Warum keine Oper ohne Gesang? Johannes Stert hatte zum Jubiläum sein Herzenswerk „Otello“ von Verdi für Blasorchester bearbeitet.OVH/Uwe Janke, Bild 1 von 4

Warum keine Oper ohne Gesang? Johannes Stert hatte zum Jubiläum sein Herzenswerk „Otello“ von Verdi für Blasorchester bearbeitet.

Burscheid. Wer die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Orchestervereins Hilgen (OVH) aufschlägt, entdeckt zuallererst ein doppelseitiges Foto des Orchesters in der fantastischen historischen Stadthalle. Die steht zwar in Wuppertal und nicht in Burscheid. Aber ein einziger Blick in die für das Jubiläumskonzert hergerichtete Max-Siebold-Halle genügt am Samstagabend, um zu begreifen, welchen überbordenden Perfektionsanspruch der OVH an sich selbst hat.

Grafisch durchgestaltet bis hin zu den Toilettenplakaten

Die schnöde Sporthalle hat sich in unfassbarer Weise zu einem atmosphärisch dichten Konzertsaal gewandelt. Auch die auf den allerletzten Drücker fertiggestellte Festschrift besticht durch moderne Gestaltung und professionell aufbereiteten Lesestoff. Selbst auf den Toiletten werben noch grafisch einheitlich gestaltete Plakate für den neuen Facebook-Auftritt des OVH.

Ungeheure Kraftanstrengung der Vorbereitung

Man ahnt – nein, man weiß, welche ungeheure Anstrengung all diese Vorbereitungen gekostet haben, wie viele Tränen und Verzweiflungsattacken in den vergangenen Wochen auszuhalten waren. Aber es wäre ein Irrtum, diesen gestalterischen Kraftakt als äußerlichen Schnickschnack abzutun. Schon hier zeigt sich nämlich jene beinahe grenzenlose Leidenschaft, mit der das Orchester seit Jahren für Furore sorgt: bei seinen Dirigenten, bei seinem Publikum, ganz gewiss auch bei sich selbst.

Ist ein Moment denkbar, in dem diese Leidenschaft noch auf die Spitze getrieben wird, womöglich dorthin, wo die Luft dünn ist und nicht mehr jeder mitkann – als wolle jemand auf dem Gipfel noch eine Leiter aufstellen? Vielleicht ist ein solcher Moment beim Hauptwerk des Jubiläumsabends erreicht – Verdis „Otello“ in einer Bearbeitung von OVH-Dirigent Johannes Stert.

Man stelle sich noch einmal die emotionale Ausgangslage vor. Da ist das Jubiläum an sich. Dann die Entscheidung für den Gründungsort als Konzertstätte. Dann der aus jeder Pore dringende Wille, der Stadt und sich selbst einen unvergesslichen Abend zu bescheren. Das alles würde als leidenschaftliche Ausgangsbasis ja schon genügen.

40 Minuten lang kann man Stert erleben, wie er bebt und zittert, fordert und drosselt.

Aber in dieser Situation greift Stert noch in emotionalem Wagemut zu seinem Herzenswerk und der Idee, eine Oper ohne Gesang aufzuführen. In „Otello“, ganz nebenbei, geht es zu allem Überfluss noch um Liebe, Eifersucht und Mord. Drunter machen es die Italiener nicht.

40 Minuten lang kann man nun Stert erleben, wie er bebt und zittert, fordert und drosselt, sich durch das Labyrinth der Leidenschaft windet und sein Orchester mit sich reißt. Uns als Normalsterblichen macht er es damit allerdings nicht immer leicht zu folgen, weil den oft abrupten Stimmungswechseln der Musik eben doch das Visuelle, die Handlung fehlt.

Applaus beginnt eher kleinlaut

Irgendwann tritt man innerlich einen Schritt zurück, schon aus Selbstschutzgründen, und verfolgt das Leidenschaftsspektakel fasziniert, ohne es noch wirklich in die letzten Herzenswinkel vordringen zu lassen. Auch der Applaus muss sich erst aus kleinlauter und etwas erschöpfter Bewunderung in die angemessenen Jubelhöhen heraufarbeiten.

Nein, das Herzensstück des Abends ist und bleibt auf lange Zeit Sterts „Bachseits“, zu dem schon alles gesagt ist. Jetzt muss es nur noch gespielt werden, wieder und wieder. Man kann sich nicht satthören.

Apropos Leidenschaft: Der Nährboden dafür scheint auch bei den beiden Nachwuchsorchestern der Orchesterschule schon gelegt. Anders ist nicht zu erklären, wie die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen des Junior- und des Jungen Orchesters den inneren Spannungsbogen halten können, bis sie nach der Pause endlich auch das erste Mal auf die Bühne dürfen. Besser als vor dieser beeindruckenden Kulisse hat man sie womöglich noch nie gehört.

Zum Finale rückt der Nachwuchs in die Mitte des Orchesters

Ganz am Ende dieses nicht nur für die Musiker anstrengenden und über dreistündigen Konzertabends rückt der Nachwuchs dann fürs Finale auch noch demonstrativ in die Mitte des Orchesters, damit auch der Letzte begreift: Dieses Orchester hat nicht nur eine große Vergangenheit, sondern wendet sich mit Leidenschaft längst schon wieder der Zukunft zu.

aus der Westdeutschen Zeitung vom 19.11.2012


Ausdruck tiefster Zufriedenheit
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Beeindruckende Geburtstagsmusik: Johannes Stert dirigierte die Musiker des OVH. 
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens hat der Orchesterverein Hilgen unter Leitung von Johannes Stert bei einem Konzert gezeigt, wie sehr er mit dafür sorgt, dass Burscheid eine Musikstadt ist. Von Frank Weiffen

Der Augenblick, der am meisten bewegte bei diesem Jubiläumskonzert und der vielleicht auf die schönste Art und Weise zeigte, um was es den Mitgliedern des Orchestervereins Hilgen (OVH) seit nunmehr 100 Jahren geht, kam kurz vor der Pause: Da drehte sich Dirigent Johannes Stert zu den knapp 500 Zuschauern im Saal um. Der letzte Ton dessen, was da gerade eben gespielt worden war, war verklungen. Und während in diesem Moment der Stille der Schweiß von Sterts Stirn troff, zogen sich seine Mundwinkel langsam zu einem Lächeln nach oben, das tiefe Zufriedenheit nicht überzeugender hätte zeigen können.


Es war der „Otello“ von Giuseppe Verdi gewesen, durch den sich das Orchester da gerade gespielt hatte – zuvor von Stert zurecht nicht ohne Stolz angekündigt als Herausforderung, denn: Der „Otello“ ist nicht nur eine Oper, zu der entsprechend Gesang gehört. Das Drama um Liebe und Eifersucht, Verzweiflung und Tod war bislang eigentlich kaum denkbar ohne die menschlichen Stimmen der Solisten. Zum Jubiläum seines Orchesters aber – bei dem er nach eigenen Worten vor 22 Jahren eher zufällig und ohne große Zukunftspläne gelandet war – hätte es nun einmal etwas Besonderes sein müssen, erklärte Stert. Und darum hatte er dieses Verdi-Opus eben kurzerhand arrangiert für ein Orchester. Ohne Gesang. Nur mit den Mitteln der Instrumentalmusik.


Als Stert dirigierte, tat er das wie wild, wie besessen – und erntete zum Dank eine famose Leistung seiner Musiker, die eine für den OVH sicherlich nicht nur wegen des Geburtstages geschichtsträchtige Leistung hinlegten: Sie zeigten, dass Wut und Trauer, Hingebung und Freude im „Otello“ nicht nur musikalisch stattfinden. Sie bewiesen umgekehrt auch, dass die Musik in manchen Momenten zu etwas Greifbarem werden kann, zu etwas, das voller Emotionen steckt und urplötzlich weit über Akkordfolgen, Noten und theoretische Strukturen und Gebilde hinausgeht.

100 Jahre Orchesterverein Hilgen

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.


Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

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Der Orchesterverein Hilgen feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert.

Fotos: Ralf Krieger


Dabei war auch der Rest dieses mehr als dreistündigen Konzertes in der zur Musikarena umgebauten Max-Siebold-Halle jede Erwähnung und Aufmerksamkeit wert: Bereits vor dem „Otello“ mit seinem vielsagenden „Fuoco di gioia“ („Feuer der Freude“) zeigte die Ouvertüre aus Gioachino Rossinis „Wilhelm Tell“, wie ernst es den Musikern des OVH gerade an diesem Abend war: Ohne Abwarten glitt das Orchester stürmisch und – verstärkt durch den beeindruckend vibrierenden Holz-Hallenboden – in seinem Spiel durch Mark und Bein gehend in die Musik hinein. Nach dem furiosen „Otello“ und der anschließend wohl platzierten Pause folgten die Nachwuchsmusiker des Junior- und des Jungen Orchesters im Verein und zeigten, dass dem OVH – im Gegensatz zu vielen anderen Orchestern und Chören - vor der Zukunft nicht bange sein muss: Neben Filmmusik („Fluch der Karibik“) spielten sie gar Queens „Bohemian Rhapsody“, das bislang ebenso unmöglich ohne Gesang zu funktionieren schien wie Verdis Oper. Und die auf Bachs „Ciaconne“ in d-Moll basierende Stert-Komposition „Bachseits“ am Ende des Konzertes – mit Blockflöten und Harfe – zeigte über vier Sätze mit träumerisch-melodiösem Einstieg und anschließender musikalischer Verve noch einmal, was die selbst erklärte Musikstadt Burscheid an ihrem OVH hat: den vielleicht dicksten Grund für diesen Titel nämlich.

aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 19.11.2012


OVH-Vorsitzender Martin Mudlaff: „Hildesheim schmerzt nicht mehr“

Das Gespräch führte Ekkehard Rüger

Der OVH-Vorsitzende Martin Mudlaff über den verpassten Titel, das Verhältnis zum Gründungsort und den Traum vom perfekten Konzertsaal.

mudi_wzHerr Mudlaff, seit der vergangenen Woche klebt der Hinweis „Ausverkauft“ auf den Werbeplakaten für Ihr Jubiläumskonzert. Wie viele Gäste werden das Programm demnach am Samstag verfolgen?

Martin Mudlaff: Wenn denn alle kommen, die eine Karte gekauft haben, 510.

Denen hätten Sie sich gerne als erneuter Gewinner des deutschen Orchesterpreises präsentiert. Wie sehr schmerzt der zweite Platz von Hildesheim noch?

Mudlaff: Gar nicht mehr. Das wurde dadurch aufgewogen, dass wir in der Sonderwertung danach diese grandiose Aufführung von „Bachseits“ hatten. Mir geht es da ähnlich wie 2001 in Kerkrade beim Weltmusikwettbewerb, als wir Vorletzter geworden sind, was nicht nur wir, sondern auch das Publikum und viele Musiker anderer Orchester ungerecht fanden. Das hat auch erst geschmerzt, aber da sind wir wieder schnell drüber hinweggekommen.

Johannes Sterts Komposition „Bachseits“ ist am Samstag zum ersten Mal in Burscheid zu hören – und nicht nur dort. Das Stück macht offenbar Furore.

Mudlaff: Ja, es wird am Samstag parallel auch in Holland aufgeführt. Jan Kober, ein niederländischer Stardirigent für Blasmusik, hatte das Stück in Slowenien bei einem Orchestercamp von Johannes Stert gehört und war so begeistert, dass er um die Noten bat. Schade, dass wir seine Interpretation jetzt nicht hören können.

Das ausverkaufte Konzert zeigt, dass der OVH und der Ort seiner Gründung noch immer eng verbunden sind. Aber wie schwierig ist es, diesen hohen musikalischen Anspruch zu haben und doch die Verbindung zu den Menschen vor Ort nicht zu verlieren?

Mudlaff: Kleinere Auftritte vor Ort sind nicht mit einem so großen Aufwand verbunden wie ein sinfonisches Konzert, aber es ist auch nicht leicht, die Leute zusammenzubekommen, weil wir inzwischen ein so großes Einzugsgebiet haben von Duisburg bis Bonn. Und diese Musiker dazu zu bewegen, sich für ein kleines Ständchen noch mal auf den Weg nach Burscheid zu machen, wo sie ohnehin schon viele Wochenenden verbringen, ist schwierig.

Ein neuer Versuch der Anbindung an Burscheid war 2010 die Gründung der Orchesterschule. Ein Schritt, der sich bewährt hat?

Mudlaff: Ich hoffe, dass er sich bald bewährt. Jetzt schon ein Fazit zu ziehen, ist noch etwas früh. Aber auf dem richtigen Weg sind wir in jedem Fall. Wenn man den Kleinen beim Proben zuhört, macht das ganz viel Hoffnung, dass auch bald schon einige von ihnen im großen Orchester zu hören sein werden.

„Wir stünden vor einer großen Hürde, wenn Johannes Stert uns aus welchen Gründen auch immer verlassen würde.“

Dieses große Orchester wird mit Unterbrechungen schon sei 22 Jahren von Johannes Stert dirigiert. Es hat von beiden Seiten nicht wirklich konsequente Abnabelungsversuche gegeben. Ist der OVH ohne Stert überhaupt noch denkbar?

Mudlaff (lacht): Darüber haben wir am vergangenen Wochenende noch in kleinem Kreis diskutiert und sind zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen. Für mich ist das im Augenblick schwer vorstellbar. Wir stünden jedenfalls vor einer großen Hürde, wenn er uns jetzt aus welchen Gründen auch immer verlassen würde.

Reisen, Gastmusiker, Wettbewerbsteilnahmen – das kostet alles viel Geld. Ist es schwieriger geworden, ein solches Orchester zu finanzieren?

Mudlaff: Wenn man viele Jahre zurückgeht, ist es mit Sicherheit viel schwerer geworden. Wenn ich meine Zeit im Vorstand überblicke, haben sich die Bedingungen seither nicht großartig verändert, was nicht heißen soll, dass die Finanzierung einfach ist, sondern dass sie schon immer schwer war.

Einen wirklich geeigneten Konzertsaal vermisst der OVH in Burscheid schon lange. Wo könnte denn der perfekte Aufführungsort liegen?

Mudlaff (lacht): Nach dem Probenwochenende sind wir am Sonntag an der Baustelle neben der Hauptschule vorbeigekommen, wo früher die Feuerwache stand. Da hat einer gesagt: „Guck mal, hier wird das neue Probenlokal gebaut. Das wird sicher die Überraschung zum 100-Jährigen.“ Aber wenn es schon eine Schulaula mit ein bisschen Konzertcharakter gäbe, wären wir mit Sicherheit zufrieden.

Die Philharmonie Luxemburg darf es aber auch mal sein.

Mudlaff: Ja sicher. Das ist ein unglaublicher Bau und dort nehmen wir im Mai erstmals an einem Wettbewerb teil, bei dem Jan Kober Schirmherr und Mitjuror ist.

Westdeutsche Zeitung, 12. 11. 2012


Mitmachkonzert in Hilgen: Hier gehört die Bühne dem Publikum

Der OVH stimmt mit dem Mitmachkonzert für Kinder auf sein Jubiläum ein.

musikus_2012_1Burscheid. Wo können Kinder schon mit Leuchtstäben ein Orchester dirigieren? Beim diesjährigen Mitmachkonzert des Orchestervereins Hilgen (wegen des Jubiläums diesmal unter dem Motto „Hör hin, feier mit“) war das nur eine von vielen Beteiligungsmöglichkeiten der jungen Besucher.

Herzlich begrüßt wurde das Publikum von der Grundschullehrerin und Musikpädagogin Annette Willuweit, die das Musikus-Projekt 2006 mit ins Leben gerufen hatte und es seither moderiert. Ihre Ideen, die Kinder mit einzubeziehen, sind vielfältig. Sie reichen vom klassischen Mitklatschen über zur Musik passende Bewegungen bis eben zum Dirigieren. Wie üblich durften die kleinen Gäste das Konzert auch von der Bühne aus verfolgen und hatten so eine perfekte Sicht auf die Musiker.

Der mutige Simon Cavell übernahm zum Auftakt die Ankündigung der Musikstücke des Juniororchesters der Orchesterschule Burscheid, in dem er auch das Horn spielt. Zu hören waren „I like the flowers“ und „Hey Sascha“.

Auf den eigenen Nachwuchs folgte der OVH selbst mit Stücken aus der Oper „Wilhelm Tell“, bei denen die Kinder eingeladen waren, passend zur Musik Bilder im Kopf entstehen zu lassen. So übernahmen die Flöten den Regen, die Becken den Blitz, die Posaunen den Donner und die Klarinetten den Wind. Im Zusammenspiel wurde daraus ein wunderschönes Stück, bei dem die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen konnten.

Mitspielen mit Glöckchen, Rasseln und Klanghölzern

In einer anderen Szene stellten die Kinder das trabende, oder galoppierende Pferd dar. Und schließlich imitierten die Kinder Wilhelm Tell selbst auf seinem Pferd. Den „spanischen Zigeunertanz“ durften die kleinen Zuhörer dann mit Glöckchen, Rasseln, Klanghölzern und Schellstäben mitgestalten.

So auf den Geschmack gekommen, hieß es im Anschluss an das Konzert: „Selbst ist der Musiker.“ Alle Instrumente konnten ausprobiert und mit etwas Glück ein neues Hobby entdeckt werden. „Gemeinsames Musizieren schweißt zusammen und stärkt das Selbstvertrauen“, sagt Günter Haas, Leiter der Orchesterschule. Nicht nur das Musizieren selbst mache das Orchesterspielen aus. Ebenso wichtig seien die Weiterentwicklung der sozialen Kompetenz und der Selbstsicherheit. Das werde den Kindern durch das Gefühl vermittelt, etwas zu können.

Am 17. November folgt das Festkonzert zum 100-jährigen Bestehen des OVH in der Max-Siebold-Halle – unter Beteiligung beider Nachwuchsorchester. „Wir würden uns sehr über viele Besucher freuen“, sagt Günter Haas.

Westdeutsche Zeitung 5.11.2012


Donnernd über Täler und Höhen

Der MGV Quartettverein Oberschmitte lud auch in diesem Jahr traditionell zum Neujahrskonzert in die Aula Am Hammer. Eröffnet wurde das Konzert durch den Orchesterverein Hilgen.

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Die Sänger des Quartettvereins Oberschmitte auf der Bühne, die Musiker des OVH aus Hilgen im Orchestergraben der Aula. (Bild: Ralf Krieger)

Leichlingen - Das neue Jahr ist gerade einmal eine Woche jung, da wird in der Aula Am Hammer doch gleich mal der Frühling herbeigebeten: Mit Pauken und Trompeten donnern die Musiker des Orchestervereins Hilgen (OHV) durch Alfred Reeds „Hounds Of Spring“ und eröffnen das Neujahrskonzert, zu dem sie traditionell der MGV Quartettverein Oberschmitte eingeladen hat.

Wände und Boden des voll besetzten Saals erzittern. Der jüngste Zuhörer – der kleine Constantin Wendt, der vor gerade einmal zwei Monaten geboren wurde und zum Konzertbeginn noch in seinem Kinderwagen neben Mama und Papa schlummerte – schlägt die Augen auf. Und so bald geschlossen werden sie nicht: Gleich danach singen sich die Herren des Quartettvereins nämlich laut jubelnd durch die Zeilen des deutschen Pendants von „Stars And Stripes Forever“: „Es zieht unser Lied in die Welt. Über Täler und Höh’n geht die Reise.“ Keine Frage: Beeindruckender und selbstbewusster kann ein Konzertauftakt nicht sein. Die beiden musikalischen Leiter Heinrich Witprächtiger (Chor) und Johannes Stert (Orchester) haben ihre Musiker aber auch in den folgenden knapp 90 Minuten unter Kontrolle und führen sie souverän durch ein Programm, das neben klassischer Chorliteratur von Schubert („Abendfrieden“, „Die Nacht“) und Mendelssohn Barthody („Abschied vom Walde“) auch Musical-Stücke von Gershwin (das furiose „Walking The Dog“ mit einem tollen Klarinettensolo Erwin Kleins) und den abschließenden „Fliegermarsch“ umfasst und zeigt: Diese beiden traditionsreichen Musikgruppen gehen bestens vorbereitet ins neue Jahr.

Und weil man das ja ohnehin am liebsten mit Freude, Glück- und Segenswünschen beginnt, werden an diesem Konzertabend auch gleich mehrere Sänger-Jubiläen gefeiert: Willi Hoster wird für 25 Jahre Sangestätigkeit in mehreren Chören geehrt. Josef Goffart, Joachim Fingscheid und Karl Reul sind bereits seit 60 Jahren dabei. Sie alle begannen ihre Karrieren im MGV Leichlingen und landeten früher oder später bei den Oberschmittern – die übrigens im Jahre 2012 seit genau 30 Jahren auf Witprächtiger als Sänger und Leiter zählen können.

aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 19.11.2012


Quartettverein Oberschmitte und Orchesterverein Hilgen begeisterten

Leichlingen. Viel Applaus gab es am Sonntag für die Mitwirkenden des traditionellen Neujahrskonzerts: Der Quartettverein Leichlingen-Oberschmitte und der Orchesterverein Hilgen hatten zu zwei buchstäblich klangvollen Stunden in die Aula am Hammer eingeladen.

Auf dem Programm stand Schmissiges wie „Stars and Stripes forever“ von Sousa oder Tschaikowskys „Slawischer Marsch“ neben besinnlichen Stücken wie Schubert- und Strauß-Liedern. Auch die Vertonung des Eichendorff-Gedichts „O Täler weit, O Höhen“ von Felix Mendelssohn Bartholdy und das auf deutsch gesungene „La Montanara“ führten stimmungsvoll in die romantische Welt des 19. Jahrhunderts.

Das preisgekrönte Sinfonie-Blasorchester, das in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiern kann, brillierte unter der Leitung von Johannes Stert mit unbändiger Spielfreude und seinem fulminanten Klangkörper. Höhepunkt war zweifelsohne die Ouvertüre von Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“, die mit dem bekannten mitreißenden Can-Can abschließt. Einfühlsame Klarinettentöne standen bei „Walking the dog“ von George Gershwin im Vordergrund: exzellent gespielt von einem gut bekannten „Neuen“: Erwin Klein, der nach langen Jahren berufsbedingter Pause nun wieder das erste Pult besetzt.

Viele Jubiläen galt es zu feiern – allen voran das des Chorleiters Heinrich Witprächtiger, der auf 40 Jahre erfolgreiche Chorarbeit zurückschauen kann – seit 1981 bei den „Oberschmittern“. Den herzlichen Gratulationsbeifall gab er bescheiden umgehend weiter: „Ohne die Sänger wäre ich ja gar nichts!“ jsl

Aus der Westdeutschen Zeitung/Bergischer Volksbote vom 11.01.2012


Bericht über den OVH in der Eurowinds

Das Fachmagazin Eurowinds hat in seiner Februarausgabe 2012 einen Artikel über den OVH veröffentlicht.
Lesen Sie den Artikel hier

Orchesterwettbewerb: Hilgen landet auf Platz 2
Von Ekkehard Rüger

dow2012-3Hildesheim. Der Orchesterverein Hilgen (OVH), sinfonisches Blasorchester aus Burscheid im Rheinisch-Bergischen Kreis, hat beim Deutschen Orchesterwettbewerb den zweiten Platz erreicht. Dreimal (1996, 2000 und 2004) hatte das Burscheider Orchester den Wettbewerb bereits gewinnen können.

Etwas trösten konnte die 74 Musiker der Sonderpreis „Zeitgenössische Musik“, mit dem sie für die Eigenkomposition „Bachseits“ ihres Dirigenten Johannes Stert ausgezeichnet wurden. Neben dem Preis erhielt das Orchester mit seinem Wahlstück auch die Einladung zum abschließenden Preisträgerkonzert.
Westzdeutsche Zeitung 20.5.2012

Orchesterverein Hilgen: Bachseits des Mainstreams

Von Ekkehard Rüger

Begegnung mit einem grandiosen Werk

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Hildesheim. Es ist Freitagabend gegen 21 Uhr. Der Arbeitstag ist beendet, die zweieinhalbstündige Autofahrt nach Laatzen nahe Hildesheim auch. Und es bleibt noch Zeit, in die OVH-Probe im Raum „George“ des Copthorne Hotels zu huschen. Johannes Stert lässt gerade kurze Passagen seiner Komposition üben, scherzt über die Lesebrille, die ihm das Orchester zu seinem 49. Geburtstag geschenkt hat.

Dann folgt zum Abschluss das Finale von „Bachseits“ – und die erhabene Wucht des Werks presst den überwältigten Zaungast mit ihrer ganzen Emotionalität in den barock verschnörkelten Polsterstuhl. Ein Moment der Atemlosigkeit.

Eine Ciaccona von Bach diente als Inspiration

Im April und Mai 2011 hat Stert das Stück während seines Engagements in Kopenhagen geschrieben. Als Inspiration diente die Ciaccona in d-Moll von Johann Sebastian Bach. Eine erste Brücke zum assoziativen Titel. Aber er legt noch weitere Spuren aus – zum Abseitigen beispielsweise, dem Verlangen nach einem musikalischen Ausdruck jenseits des Mainstreams der Blasmusik.

Seine Welturaufführung erlebte „Bachseits“ beim Landeswettbewerb im vergangenen Jahr in Paderborn, seinen Durchbruch aber zweifelsohne jetzt in Hildesheim. Die Fantasie in vier Sätzen – verboten ist es jedenfalls nicht, in ihr nicht nur Bach, sondern auch murmelnde Bäche, Strudel, Untiefen, breite Ströme und gewaltige Wasserfälle zu erkennen.

Vom weichen Zauber in der Elegie über das flirrende Perlen im Intermezzo bis – ja bis zu einer Emotionalität, die das Orchester wie die Zuhörer in einer Art auswringt und durchwalkt, die an den Rand der Fassungslosigkeit führt. Wen dieses Stück nicht bewegt, den bewegt überhaupt nichts mehr.

Und das Orchester bewegt sich mit ihm über seine Grenzen hinaus. Vermutlich gelingt das nur, weil es seinem Dirigenten so vertraut und der wiederum seinen Musikern so viel zutraut. Weil er, wie er selbst sagt, „alle Farben des Blasorchesters herausholen möchte“. Und am Ende stehen alle, Publikum wie Musiker, ergriffen in einer Klangkathedrale und staunen darüber, was möglich ist.

Möglich ist, trotz eines solch grandiosen Werkes einen Wettbewerb nicht zu gewinnen. Unmöglich ist, mit solchen Aufführungen im Gepäck nicht erhobenen Hauptes nach Burscheid zurückzukehren.

Westdeutsche Zeitung 21.5.2012


Deutscher Orchesterwettbewerb: Eine Sternstunde, die wehtut

Von Ekkard Rüger

Hätte – ja, hätte die Aufführung des OVH-Wahlstücks nur beim Wettbewerb so fantastisch geklungen wie danach.


Hildesheim. Es gibt diese seltenen Momente, in denen eine Spitzenleistung besonders schmerzlich ist – weil sie zu spät kommt. Als am Samstagmittag in der Halle 39 in Hildesheim die letzten Töne seines Werkes „Bachseits“ ausgeklungen sind, senkt Johannes Stert den Taktstock und verneigt sich vor seinem Orchester.

Die emotionale Verbindung ist auch aus der Ferne spürbar. Und der spärliche Applaus der wenigen Zuhörer beim Sonderpreis-Wettbewerb „Zeitgenössische Musik“ beweist nur, wie viele Menschen gerade eine musikalische Sternstunde verpasst haben. Am Abend beim Preisträgerkonzert sollte noch eine zweite folgen.

Aber es kursiert auch diese CD vom Auftritt am Donnerstag, dem eigentlichen Wettbewerbsbeitrag. Und darauf klingt „Bachseits“ nicht ganz so perfekt. Für Laienohren wahrscheinlich nicht zu hören. Aber die OVH-Bläser quälen diese Winzigkeiten. Winzigkeiten, die vielleicht die 0,4 Punkte ausgemacht haben, die am Ende zum Sieg fehlten.

Sonderpreis für „Zeitgenössische Musik“

Am Donnerstag musste das Orchester als Erstes seiner Kategorie auf die Bühne. Undankbar, zumal die Akustik in der Halle gewöhnungsbedürftig ist. Am Samstag, in der Sonderwertung, erklingt „Bachseits“ dann zum zunächst ungekrönten Abschluss noch einmal in bewegender Brillanz – was folgerichtig am Abend wenigstens zum Sonderpreis „Zeitgenössische Musik“ führt.

Aber nach dem Bravourauftritt am Mittag sickert schon langsam durch, dass es diesmal für den Titel nicht gereicht hat. Und auf den Gesichtern der Musiker zeichnet sich mehr und mehr jenes verlorene Lächeln ins Ziellose ab, das gerne aufgesetzt wird, wenn Enttäuschung verborgen werden soll.

Bei der Entscheidungsbekanntgabe der Jury auf dem schmucken Andreasplatz von Hildesheim wird die Vermutung in der prallen Frühjahrssonne zu einer quälend langen Vergewisserung. Johannes Stert entzieht sich der Tortur und wartet angespannt irgendwo abseits auf den Anruf.

Rückblende. So ein Wettbewerb kann sich für ein Orchester mit 74 Musikern bis hinunter zum Benjamin, dem 15-jährigen Thaddäus Hoffrogge, zu einer emotionalen Achterbahnfahrt entwickeln. Erst am Freitagabend erfährt der OVH-Vorsitzende Martin Mudlaff, dass sein Verein am nächsten Vormittag in der Sonderwertung antreten darf, die kategorieübergreifend ausgetragen wird.

Dafür muss das zeitgenössische Werk zumindest in der eigenen Kategorie vorne liegen. Aber die ersehnte Einladung zum Preisträgerkonzert bleibt aus. „Das heißt nichts“, beruhigen sich die Musiker. Nicht zwangsläufig werden immer die Sieger eingeladen.

Ersatzharfenistin nicht umsonst engagiert

Um 23 Uhr dann doch noch der erlösende Anruf. Schlagartig hebt sich die Stimmung. Zwei weitere Auftritte am Samstag sind gesichert. Und der stellvertretende Vorsitzende Stefan Willuweit ist erleichtert, dass die Hannoveraner Harfenistin Angelika Klöhn als Ersatz für die am Donnerstag schon wieder abgereiste Ute Blaumer nicht umsonst eingekauft wurde. „Das heißt nichts“ – jetzt muss der Satz herhalten, um auf die Euphoriebremse zu treten.

Aber Erwartungen lassen sich nur schwer kleinreden: Nach drei Siegen hat – zumal im Jahr des 100-jährigen Bestehens – Platz zwei für niemanden hier irgendeinen Reiz. Zumindest nicht ohne ein paar Tage des schmerzlindernden Abstands. Als der Jurysprecher am Samstag um kurz nach halb zwei die Bekanntgabe der Ergebnisse mit dem Satz einleitet: „Welch eine wunderbare Stimmung hier auf dem Platz“, kann er die ahnungsvolle Bläsergruppe aus dem Bergischen jedenfalls nicht gemeint haben.

Und auch wenn die Musiker wegen des Preisträgerkonzerts am Abend auf das Champions-League-Finale verzichten müssen: An diesem Tag sind sich der Orchesterverein Hilgen und der FC Bayern München plötzlich ganz nah.

Westdeutsche Zeitung, 21.5.2012

Johannes Stert, Chefdirigent des OVH: "Jetzt wird verstanden, was wir wollen"

Johannes Stert, seit 1990 Chefdirigent des Orchestervereins Hilgen.

dow2012-2Seit Jahren machen Sie Ihren Weg als auch international gefragter Dirigent und können doch vom OVH nicht lassen. Wie würden Sie Ihre Beziehung zu dem Orchester beschreiben?

Johannes Stert: Herzlich!

 Wie stark haben Sie den OVH bei der Komposition von „Bachseits“ im Kopf gehabt?

Stert: Das war eine Mischung. Einerseits habe ich beim Komponieren des Stücks über den Orchesterverein hinaus gedacht, andererseits war er auch immer mit im Blick.

 „Bachseits“ hat hier in Hildesheim maximale Anerkennung erfahren: Es soll in der höchsten Schwierigkeitsstufe einer Empfehlungsliste der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände aufgenommen werden, war in der Sonderwertung erfolgreich und zum Preisträgerkonzert eingeladen. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?

Stert: Er lässt mich ein bisschen vergessen, dass wir diesmal nur den zweiten Platz geholt haben. Zum ersten Mal bekommen wir mit der Anerkennung für diese Komposition ein Feedback, das uns zeigt, dass verstanden wird, was wir künstlerisch machen wollen: neue Farben und neue Ideen einbringen, die der Blasmusikszene bisher fehlen.

Westdeutsche Zeitung, 21.5.2012


Ein Sieg und ein zweiter Platz

Von Timm Gatter, 20.05.12

Ein Erfolg für den Orchesterverein Hilgen in Hildesheim: Beim „8. Deutschen Orchesterwettbewerb“ sicherten sich die rund 70 Musiker aus Burscheid und Umgebung den zweiten Platz in der Kategorie „Sinfonisches Blasorchester“.

Burscheid/Hildesheim - Am Sonntagmorgen konnte der Vorsitzende des Orchesterverein Hilgen 1912 (OVH), Martin Mudlaff, am Telefon schon wieder lachen: „Wir hegen keinen Groll – wir sind wieder fröhlicher.“ In diesem Moment verabschiedeten sich die rund 70 Musiker aus Burscheid und Umgebung von ihrem Hotel im niedersächsischen Hildesheim. Nach einem umjubelten Preisträgerkonzert hatten sie bis tief in die Nacht gefeiert.

Noch am Samstag hatte sich der Vorsitzende enttäuscht über den ganz knapp entgangenen Sieg beim „8. Deutschen Orchesterwettbewerb“ gezeigt: In der Kategorie „Sinfonisches Blasorchester“ errang der OVH 24 von 25 möglichen Punkten und kam auf Platz zwei. Der im Jubiläumsjahr ersehnte 1. Platz ging an die „Stadtkapelle Wangen“ – sie lag mit 0,3 Punkten vor den Burscheidern. „Natürlich wären wir im 100. Jahr unseres Bestehens gerne Sieger geworden“, sagte Martin Mudlaff. Die Chancen standen nicht schlecht. Schließlich hatte der OVH bereits 1996, 2000 und 2004 den seit 1986 vom Deutschen Musikrat alle vier Jahre ausgelobten Wettbewerb gewonnen.

Schwierige Bedingungen

Samstagmittag hatte die dreiköpfige Jury auf dem proppenvollen Andreasplatz in Hildesheim die Sieger bekanntgegeben. Das Wertungskonzert der Burscheider fand schon am Donnerstagabend statt – in einer Halle mit mäßiger Akustik vor nur rund 50 Zuhörern unter nicht den besten Bedingungen.

Die insgesamt antretenden elf Blasorchester aus Deutschland konnten aus zwei Pflichtstücken wählen und ein Wahlstück aufführen. Der OVH trat an mit „Sinfonische Variationen – Hommage à Prokofjew“. Mit der Eigenkomposition ihres Dirigenten Johannes Stert „Bachseits“ nach Motiven von J. S. Bach“ – als „höchste Schwierigkeitsstufe“ von den Juroren anerkannt – siegten die Hilgener im Sonderwettbewerb am Samstag dann doch noch.

Kölner Stadtanzeiger 20.5.2012


Champions League in Hildesheim

Sechs Ensembles spielen zum Abschluss des Orchesterwettbewerbs in Halle 39

Applaus, Applaus, Applaus", so beendete der legendäre "Muppet-Show"- Frosch Kermit seine Ansagen. In der Halle 39 bedarf es im Abschlusskonzert des 8. Deutschen Orchesterwettbewerbs keiner Applausaujforderungen, denn der Beifall bricht hier frenetisch nach jedem Beitrag aus.

Im zweiten Preisträgerkonzert dieses Wettbewerbs beenden die überwiegend jugendlichen Teilnehmer, aber auch die älteren Semester, den achttägigen Wettstreit um Punkte mit einem Konzert, das aufs Höchste erfreut. Sowohl die Amateure als auch die Redner aus Stadt und Musikrats- Vertretern punkten durch Erfrischung und tragen zum Spiel des Abends bei, ein Spiel, das natürlich mit Fußball nichts gemeinsam hat, oder doch?

"Wir haben das Charnpions-League Finale in München und in Hildesheim! Ich freue mich. dass Sie sich für Hildesheim entschieden haben." Auf diese Wortspiele des Moderators Professor Dieter Kreidler, der Vorsitzender des Orchesterbeirats im Deutschen Musikrat ist, kommen die Redner gerne zurück.

Zum Glück herrschen in diesem Spitzenspiel weder Fouls noch sonstige unschönen Szenen aus der Fußballwelt. Diese Preisträger schätzen den Teamgeist, spielen fair, hochkarätig und entlassen so ihre präzise einstudierten Werke in die Weiten der Halle 39.

Unter den sechs Ensembles, die ihre Beiträge passgertau präsentieren (insgesamt waren bei diesem Wettbewerb 115 Ensembles mitrund 5000 Musikern zu Gast in Hildeshetrn), werden immer wieder neue Facetten, Techniken und Methoden zu (neuer) Musikerschließung vor Augen und Ohren geführt.

Die grandiose "musica viva"-Kammerphilharmonie am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz unter der Leitung des 27-jährigen Thomas Jung glänzt durch packendes, geradezu perfektes Spiel mit Wojciech Kilars Werk "Orawa". Zudem erhalten die Musiker den Sonderpreis "Best Performance" für Jugendorchester. Dieser Preis der Volksbanken und Raiffeisenbanken wurde damit zweimalig in diesem Wettbewerb vergehen.

Das Jugendkammerorchester VIOLINISSIMO (Einstudierung: Ulli Büsel) setzt auf die atemberaubenden Klänge der vertrackten Komposition "Was es mit sich bringt" des 1994 geborenen Markus Bauer. Diese Künstler setzen laut Büsel auf selbstverantwortliches Musizieren" und verzichten deshalb auf die Dirigentin, die dieses Erdinger Orchester auf ihre Art lenkt.

Auch Johannes Sterts mit dem Preis der Sonderwertung Zeitgenössische Musik ausgezeichnete Komposition "Bachseits", die unter dem Dirigat des Komponisten mit dem generationsübergreifenden "Orchesterverern Hilgen 1912 e. V. - Oelberger Musikverein Burscheid 1876" hellauf begeistert oder die mitreißenden "IKS (Immanuel- Kaut-Schule Rüsselsheim) Swing Kids" unter Jens Hunsteins Leitung sowie die übrigen Ensernbles geben alles für die hohe Kunst der Musik.

"Hildesheim kriegt was zu hören!", so bringt Hildesheims Bürgermeister Ekkehard Palandt das Motto dieses Wettbewerbs auf den Punkt. Ein Motto, das auch dieses letzte Konzert vieldeutig und bravourös durchwehte. Und: Dieses Spiel hat niemand verloren.

Hildesheimer Allgemeine Zeitung 21.5.2012


Filmreife Kulisse jenseits von Afrika

Der OVH bedient mit einem Programm aus Filmmelodien einmal mehr das Kino im Kopf.

Ein großes Publikum hinter sich, ein großes Orchester vor sich: Dirigent Johannes Stert ganz in seinem Element.  Fotos (2): Barbara Sarx
Großbildbarbara Sarx, Bild 1 von 2

Ein großes Publikum hinter sich, ein großes Orchester vor sich: Dirigent Johannes Stert ganz in seinem Element. Fotos (2): Barbara Sarx

Burscheid. Selten hat sich der Orchesterverein Hilgen so sehr mit seinen Ehrengästen geschmückt. Eine illustre Gesellschaft, die da am Samstagabend dem Ruf in die Kirchenkurve gefolgt ist: von James Bond bis zu Inspector Clouseau, von Mister Spock bis zu Karen Blixen. Keiner der Stars hat es nötig, eine Rede zu halten. Niemand drängt sich in den Vordergrund. Eigentlich bleiben sie alle unsichtbar – und sind doch allgegenwärtig.

Leinwandhelden ohne Leinwand: Dieses Kunststück gelingt dem Orchesterverein mit Leichtigkeit. Man kann ihn sich gut als Filmorchester vorstellen, während im Hintergrund die Schwarz-Weiß-Streifen aus der Stummfilmzeit abgespult werden, als die Bilder laufen lernten. An diesem Abend aber reicht allein die filmreife Kulisse der Kirchenkurve aus.

Genüsslicher Verweis auf pessimistische Wetterprognosen

Ihr Potenzial hat das Orchester mit seinem ersten Serenadenkonzert 2003 wiederentdeckt. Und bringt es neun Jahre später einmal mehr mit einem Programm aus Filmmusik zum Glänzen. Und weil an diesem Abend auch die Pauken von Beginn an im Sonnenlicht glänzen, kann es sich der OVH-Vorsitzende Martin Mudlaff bei seiner Begrüßung nicht verkneifen, genüsslich aus den eher pessimistischen Wetterprognosen der vergangenen Woche zu zitieren.

Die Burscheider und zahllose auswärtige Gäste bis hin zum mit Sonderapplaus bedachten Bäcker aus Effelsberg haben nach der Regenabsage im vergangenen Jahr jedenfalls nicht vergessen, wie schön es an diesem Ort sein kann: Die über 300 Stühle reichen bei Weitem nicht aus, allen Besuchern Platz zu bieten.

Platz räumt der OVH zunächst seinem Nachwuchs ein: Eine halbe Stunde zeigt das Juniororchester der Orchesterschule unter Leitung von Heide Wendt, welche Entwicklung es in den anderthalb Jahren seines Bestehens schon genommen hat. Das gewachsene Selbstvertrauen ist auch an den gewitzten Moderatoren aus den eigenen Reihen erkennbar.

Drei Planeten zum Einstieg

Beim OVH selbst übernimmt diesen Part wieder Annette Willuweit. Und die charmante Pädagogin stimmt das Publikum gleich zu Beginn ein auf das am wenigsten eingängige Werk des Abends, Gustav Holsts „Planeten“, auszugsweise beschränkt auf Jupiter, Uranus und Mars. Dessen bedrohlich-dramatische Charakterisierung durch den Komponisten wirkt wie ein musikalischer Kontrapunkt zur friedlichen Atmosphäre, die sich gerade über den Kirchenvorplatz legt. Aber das Raumschiff Enterprise in den unendlichen Weiten beruhigt die aufgewühlten Seelen noch vor der Pause.

Danach gehört der Abend endgültig den Charts der Filmmusik. Ein Bond-Potpourri und Henry Mancinis unvermeidlicher „Rosaroter Panther“ sind dabei nur die Anheizer für John Williams’ oscargekrönte „Star Wars“-Musik zum Finale, die das Publikum unmittelbar nach den Schlussakkorden von den Stühlen reißt.

Robert Redford wäscht Meryll Streep die Haare

Natürlich können die Bläser und Dirigent Johannes Stert („Jetzt könnte man eigentlich so weitermachen“) danach nicht einfach von der Bühne. Und der folgende Abstieg in die Niederungen des Fernsehens ist zwar eine witzige Zugabe – aber soll ein solcher Abend wirklich mit der Tagesschau-Fanfare enden?

Nein, soll er nicht. Mit dem ihm eigenen Gespür für die nötigen Gefühlswallungen vor dem Zubettgehen verabschiedet der OVH sein Publikum mit „Out of Africa“. Und plötzlich wäscht Robert Redford mitten in der Kirchenkurve auf so unnachahmliche Weise Meryll Streep die Haare. Man kann sie nicht sehen – aber sie sind allgegenwärtig.

Ekkehard Rüger für die Westdeutsche Zeitung/Bergischer Volksbote vom 02.07.2012


 
 

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