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2012 - Deutscher Orchesterwettbewerb 2012
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Orchesterwettbewerb: Hilgen landet auf Platz 2
Von Ekkehard Rüger

dow2012-3Hildesheim. Der Orchesterverein Hilgen (OVH), sinfonisches Blasorchester aus Burscheid im Rheinisch-Bergischen Kreis, hat beim Deutschen Orchesterwettbewerb den zweiten Platz erreicht. Dreimal (1996, 2000 und 2004) hatte das Burscheider Orchester den Wettbewerb bereits gewinnen können.

Etwas trösten konnte die 74 Musiker der Sonderpreis „Zeitgenössische Musik“, mit dem sie für die Eigenkomposition „Bachseits“ ihres Dirigenten Johannes Stert ausgezeichnet wurden. Neben dem Preis erhielt das Orchester mit seinem Wahlstück auch die Einladung zum abschließenden Preisträgerkonzert.
Westzdeutsche Zeitung 20.5.2012

Orchesterverein Hilgen: Bachseits des Mainstreams

Von Ekkehard Rüger

Begegnung mit einem grandiosen Werk

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Hildesheim. Es ist Freitagabend gegen 21 Uhr. Der Arbeitstag ist beendet, die zweieinhalbstündige Autofahrt nach Laatzen nahe Hildesheim auch. Und es bleibt noch Zeit, in die OVH-Probe im Raum „George“ des Copthorne Hotels zu huschen. Johannes Stert lässt gerade kurze Passagen seiner Komposition üben, scherzt über die Lesebrille, die ihm das Orchester zu seinem 49. Geburtstag geschenkt hat.

Dann folgt zum Abschluss das Finale von „Bachseits“ – und die erhabene Wucht des Werks presst den überwältigten Zaungast mit ihrer ganzen Emotionalität in den barock verschnörkelten Polsterstuhl. Ein Moment der Atemlosigkeit.

Eine Ciaccona von Bach diente als Inspiration

Im April und Mai 2011 hat Stert das Stück während seines Engagements in Kopenhagen geschrieben. Als Inspiration diente die Ciaccona in d-Moll von Johann Sebastian Bach. Eine erste Brücke zum assoziativen Titel. Aber er legt noch weitere Spuren aus – zum Abseitigen beispielsweise, dem Verlangen nach einem musikalischen Ausdruck jenseits des Mainstreams der Blasmusik.

Seine Welturaufführung erlebte „Bachseits“ beim Landeswettbewerb im vergangenen Jahr in Paderborn, seinen Durchbruch aber zweifelsohne jetzt in Hildesheim. Die Fantasie in vier Sätzen – verboten ist es jedenfalls nicht, in ihr nicht nur Bach, sondern auch murmelnde Bäche, Strudel, Untiefen, breite Ströme und gewaltige Wasserfälle zu erkennen.

Vom weichen Zauber in der Elegie über das flirrende Perlen im Intermezzo bis – ja bis zu einer Emotionalität, die das Orchester wie die Zuhörer in einer Art auswringt und durchwalkt, die an den Rand der Fassungslosigkeit führt. Wen dieses Stück nicht bewegt, den bewegt überhaupt nichts mehr.

Und das Orchester bewegt sich mit ihm über seine Grenzen hinaus. Vermutlich gelingt das nur, weil es seinem Dirigenten so vertraut und der wiederum seinen Musikern so viel zutraut. Weil er, wie er selbst sagt, „alle Farben des Blasorchesters herausholen möchte“. Und am Ende stehen alle, Publikum wie Musiker, ergriffen in einer Klangkathedrale und staunen darüber, was möglich ist.

Möglich ist, trotz eines solch grandiosen Werkes einen Wettbewerb nicht zu gewinnen. Unmöglich ist, mit solchen Aufführungen im Gepäck nicht erhobenen Hauptes nach Burscheid zurückzukehren.

Westdeutsche Zeitung 21.5.2012


Deutscher Orchesterwettbewerb: Eine Sternstunde, die wehtut

Von Ekkard Rüger

Hätte – ja, hätte die Aufführung des OVH-Wahlstücks nur beim Wettbewerb so fantastisch geklungen wie danach.


Hildesheim. Es gibt diese seltenen Momente, in denen eine Spitzenleistung besonders schmerzlich ist – weil sie zu spät kommt. Als am Samstagmittag in der Halle 39 in Hildesheim die letzten Töne seines Werkes „Bachseits“ ausgeklungen sind, senkt Johannes Stert den Taktstock und verneigt sich vor seinem Orchester.

Die emotionale Verbindung ist auch aus der Ferne spürbar. Und der spärliche Applaus der wenigen Zuhörer beim Sonderpreis-Wettbewerb „Zeitgenössische Musik“ beweist nur, wie viele Menschen gerade eine musikalische Sternstunde verpasst haben. Am Abend beim Preisträgerkonzert sollte noch eine zweite folgen.

Aber es kursiert auch diese CD vom Auftritt am Donnerstag, dem eigentlichen Wettbewerbsbeitrag. Und darauf klingt „Bachseits“ nicht ganz so perfekt. Für Laienohren wahrscheinlich nicht zu hören. Aber die OVH-Bläser quälen diese Winzigkeiten. Winzigkeiten, die vielleicht die 0,4 Punkte ausgemacht haben, die am Ende zum Sieg fehlten.

Sonderpreis für „Zeitgenössische Musik“

Am Donnerstag musste das Orchester als Erstes seiner Kategorie auf die Bühne. Undankbar, zumal die Akustik in der Halle gewöhnungsbedürftig ist. Am Samstag, in der Sonderwertung, erklingt „Bachseits“ dann zum zunächst ungekrönten Abschluss noch einmal in bewegender Brillanz – was folgerichtig am Abend wenigstens zum Sonderpreis „Zeitgenössische Musik“ führt.

Aber nach dem Bravourauftritt am Mittag sickert schon langsam durch, dass es diesmal für den Titel nicht gereicht hat. Und auf den Gesichtern der Musiker zeichnet sich mehr und mehr jenes verlorene Lächeln ins Ziellose ab, das gerne aufgesetzt wird, wenn Enttäuschung verborgen werden soll.

Bei der Entscheidungsbekanntgabe der Jury auf dem schmucken Andreasplatz von Hildesheim wird die Vermutung in der prallen Frühjahrssonne zu einer quälend langen Vergewisserung. Johannes Stert entzieht sich der Tortur und wartet angespannt irgendwo abseits auf den Anruf.

Rückblende. So ein Wettbewerb kann sich für ein Orchester mit 74 Musikern bis hinunter zum Benjamin, dem 15-jährigen Thaddäus Hoffrogge, zu einer emotionalen Achterbahnfahrt entwickeln. Erst am Freitagabend erfährt der OVH-Vorsitzende Martin Mudlaff, dass sein Verein am nächsten Vormittag in der Sonderwertung antreten darf, die kategorieübergreifend ausgetragen wird.

Dafür muss das zeitgenössische Werk zumindest in der eigenen Kategorie vorne liegen. Aber die ersehnte Einladung zum Preisträgerkonzert bleibt aus. „Das heißt nichts“, beruhigen sich die Musiker. Nicht zwangsläufig werden immer die Sieger eingeladen.

Ersatzharfenistin nicht umsonst engagiert

Um 23 Uhr dann doch noch der erlösende Anruf. Schlagartig hebt sich die Stimmung. Zwei weitere Auftritte am Samstag sind gesichert. Und der stellvertretende Vorsitzende Stefan Willuweit ist erleichtert, dass die Hannoveraner Harfenistin Angelika Klöhn als Ersatz für die am Donnerstag schon wieder abgereiste Ute Blaumer nicht umsonst eingekauft wurde. „Das heißt nichts“ – jetzt muss der Satz herhalten, um auf die Euphoriebremse zu treten.

Aber Erwartungen lassen sich nur schwer kleinreden: Nach drei Siegen hat – zumal im Jahr des 100-jährigen Bestehens – Platz zwei für niemanden hier irgendeinen Reiz. Zumindest nicht ohne ein paar Tage des schmerzlindernden Abstands. Als der Jurysprecher am Samstag um kurz nach halb zwei die Bekanntgabe der Ergebnisse mit dem Satz einleitet: „Welch eine wunderbare Stimmung hier auf dem Platz“, kann er die ahnungsvolle Bläsergruppe aus dem Bergischen jedenfalls nicht gemeint haben.

Und auch wenn die Musiker wegen des Preisträgerkonzerts am Abend auf das Champions-League-Finale verzichten müssen: An diesem Tag sind sich der Orchesterverein Hilgen und der FC Bayern München plötzlich ganz nah.

Westdeutsche Zeitung, 21.5.2012

Johannes Stert, Chefdirigent des OVH: "Jetzt wird verstanden, was wir wollen"

Johannes Stert, seit 1990 Chefdirigent des Orchestervereins Hilgen.

dow2012-2Seit Jahren machen Sie Ihren Weg als auch international gefragter Dirigent und können doch vom OVH nicht lassen. Wie würden Sie Ihre Beziehung zu dem Orchester beschreiben?

Johannes Stert: Herzlich!

 Wie stark haben Sie den OVH bei der Komposition von „Bachseits“ im Kopf gehabt?

Stert: Das war eine Mischung. Einerseits habe ich beim Komponieren des Stücks über den Orchesterverein hinaus gedacht, andererseits war er auch immer mit im Blick.

 „Bachseits“ hat hier in Hildesheim maximale Anerkennung erfahren: Es soll in der höchsten Schwierigkeitsstufe einer Empfehlungsliste der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände aufgenommen werden, war in der Sonderwertung erfolgreich und zum Preisträgerkonzert eingeladen. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?

Stert: Er lässt mich ein bisschen vergessen, dass wir diesmal nur den zweiten Platz geholt haben. Zum ersten Mal bekommen wir mit der Anerkennung für diese Komposition ein Feedback, das uns zeigt, dass verstanden wird, was wir künstlerisch machen wollen: neue Farben und neue Ideen einbringen, die der Blasmusikszene bisher fehlen.

Westdeutsche Zeitung, 21.5.2012


Ein Sieg und ein zweiter Platz

Von Timm Gatter, 20.05.12

Ein Erfolg für den Orchesterverein Hilgen in Hildesheim: Beim „8. Deutschen Orchesterwettbewerb“ sicherten sich die rund 70 Musiker aus Burscheid und Umgebung den zweiten Platz in der Kategorie „Sinfonisches Blasorchester“.

Burscheid/Hildesheim - Am Sonntagmorgen konnte der Vorsitzende des Orchesterverein Hilgen 1912 (OVH), Martin Mudlaff, am Telefon schon wieder lachen: „Wir hegen keinen Groll – wir sind wieder fröhlicher.“ In diesem Moment verabschiedeten sich die rund 70 Musiker aus Burscheid und Umgebung von ihrem Hotel im niedersächsischen Hildesheim. Nach einem umjubelten Preisträgerkonzert hatten sie bis tief in die Nacht gefeiert.

Noch am Samstag hatte sich der Vorsitzende enttäuscht über den ganz knapp entgangenen Sieg beim „8. Deutschen Orchesterwettbewerb“ gezeigt: In der Kategorie „Sinfonisches Blasorchester“ errang der OVH 24 von 25 möglichen Punkten und kam auf Platz zwei. Der im Jubiläumsjahr ersehnte 1. Platz ging an die „Stadtkapelle Wangen“ – sie lag mit 0,3 Punkten vor den Burscheidern. „Natürlich wären wir im 100. Jahr unseres Bestehens gerne Sieger geworden“, sagte Martin Mudlaff. Die Chancen standen nicht schlecht. Schließlich hatte der OVH bereits 1996, 2000 und 2004 den seit 1986 vom Deutschen Musikrat alle vier Jahre ausgelobten Wettbewerb gewonnen.

Schwierige Bedingungen

Samstagmittag hatte die dreiköpfige Jury auf dem proppenvollen Andreasplatz in Hildesheim die Sieger bekanntgegeben. Das Wertungskonzert der Burscheider fand schon am Donnerstagabend statt – in einer Halle mit mäßiger Akustik vor nur rund 50 Zuhörern unter nicht den besten Bedingungen.

Die insgesamt antretenden elf Blasorchester aus Deutschland konnten aus zwei Pflichtstücken wählen und ein Wahlstück aufführen. Der OVH trat an mit „Sinfonische Variationen – Hommage à Prokofjew“. Mit der Eigenkomposition ihres Dirigenten Johannes Stert „Bachseits“ nach Motiven von J. S. Bach“ – als „höchste Schwierigkeitsstufe“ von den Juroren anerkannt – siegten die Hilgener im Sonderwettbewerb am Samstag dann doch noch.

Kölner Stadtanzeiger 20.5.2012


Champions League in Hildesheim

Sechs Ensembles spielen zum Abschluss des Orchesterwettbewerbs in Halle 39

Applaus, Applaus, Applaus", so beendete der legendäre "Muppet-Show"- Frosch Kermit seine Ansagen. In der Halle 39 bedarf es im Abschlusskonzert des 8. Deutschen Orchesterwettbewerbs keiner Applausaujforderungen, denn der Beifall bricht hier frenetisch nach jedem Beitrag aus.

Im zweiten Preisträgerkonzert dieses Wettbewerbs beenden die überwiegend jugendlichen Teilnehmer, aber auch die älteren Semester, den achttägigen Wettstreit um Punkte mit einem Konzert, das aufs Höchste erfreut. Sowohl die Amateure als auch die Redner aus Stadt und Musikrats- Vertretern punkten durch Erfrischung und tragen zum Spiel des Abends bei, ein Spiel, das natürlich mit Fußball nichts gemeinsam hat, oder doch?

"Wir haben das Charnpions-League Finale in München und in Hildesheim! Ich freue mich. dass Sie sich für Hildesheim entschieden haben." Auf diese Wortspiele des Moderators Professor Dieter Kreidler, der Vorsitzender des Orchesterbeirats im Deutschen Musikrat ist, kommen die Redner gerne zurück.

Zum Glück herrschen in diesem Spitzenspiel weder Fouls noch sonstige unschönen Szenen aus der Fußballwelt. Diese Preisträger schätzen den Teamgeist, spielen fair, hochkarätig und entlassen so ihre präzise einstudierten Werke in die Weiten der Halle 39.

Unter den sechs Ensembles, die ihre Beiträge passgertau präsentieren (insgesamt waren bei diesem Wettbewerb 115 Ensembles mitrund 5000 Musikern zu Gast in Hildeshetrn), werden immer wieder neue Facetten, Techniken und Methoden zu (neuer) Musikerschließung vor Augen und Ohren geführt.

Die grandiose "musica viva"-Kammerphilharmonie am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz unter der Leitung des 27-jährigen Thomas Jung glänzt durch packendes, geradezu perfektes Spiel mit Wojciech Kilars Werk "Orawa". Zudem erhalten die Musiker den Sonderpreis "Best Performance" für Jugendorchester. Dieser Preis der Volksbanken und Raiffeisenbanken wurde damit zweimalig in diesem Wettbewerb vergehen.

Das Jugendkammerorchester VIOLINISSIMO (Einstudierung: Ulli Büsel) setzt auf die atemberaubenden Klänge der vertrackten Komposition "Was es mit sich bringt" des 1994 geborenen Markus Bauer. Diese Künstler setzen laut Büsel auf selbstverantwortliches Musizieren" und verzichten deshalb auf die Dirigentin, die dieses Erdinger Orchester auf ihre Art lenkt.

Auch Johannes Sterts mit dem Preis der Sonderwertung Zeitgenössische Musik ausgezeichnete Komposition "Bachseits", die unter dem Dirigat des Komponisten mit dem generationsübergreifenden "Orchesterverern Hilgen 1912 e. V. - Oelberger Musikverein Burscheid 1876" hellauf begeistert oder die mitreißenden "IKS (Immanuel- Kaut-Schule Rüsselsheim) Swing Kids" unter Jens Hunsteins Leitung sowie die übrigen Ensernbles geben alles für die hohe Kunst der Musik.

"Hildesheim kriegt was zu hören!", so bringt Hildesheims Bürgermeister Ekkehard Palandt das Motto dieses Wettbewerbs auf den Punkt. Ein Motto, das auch dieses letzte Konzert vieldeutig und bravourös durchwehte. Und: Dieses Spiel hat niemand verloren.

Hildesheimer Allgemeine Zeitung 21.5.2012



 
 

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Am 4.5.2019 um 19:30 spielen wir im Bergischen Löwen. Als Solisten wirken mit: Olaf Ott (Berliner Philharmoniker) und Rocco Rescigno (Duisburger Philharmoniker)

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