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Rezension CD Festliches Konzert
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Hier finden Sie die Presseartikel über den Orchesterverein aus dem Jahre 2010. Rechts können Sie die verschiedenen Anlässe direkt auswählen.

 


Man stelle sich einmal vor, der FC Bayern München träte zur Bundesligasaison nicht an. Das Fernbleiben des Rekordmeisters wäre ein Skandal, der nicht nur die Fußballnation erschüttern würde. Weniger Schlagzeilen machte die Absenz des Seriensiegers beim Deutschen Orchesterwettbewerb in der Sparte Blasorchester. Der Orchesterverein Hilgen machte 2008 den Rückzieher, weil ihm die Antrittsgebühren zu hoch waren. Damit fehlte der Veranstaltung bei der jüngsten Austragung der Titelverteidiger, dem 1996, 2000 und 2004 ein Titel-Hattrick geglückt war. Dass ihr Orchester einmal zu den führenden sinfonischen Blasorchestern Deutschlands zählen würde, hätten sich die Männer, die 1876 im Bergischen Land östlich von Köln den Oelberger Musikverein gegründet haben, kaum träumen lassen. Dass der daraus hervorgegangene Orchesterverein auch in Europa mit der Spitze mithalten kann, bestätigte das Blasorchester 2008 beim internationalen Wettbewerb „Eolia" in Straßburg, wo es in der höchsten Kategorie gleich drei erste Preise abräumte. Zu den hervorstechendsten Merkmalen des Orchestervereins zählt ohne Zweifel seine außergewöhnliche Klangkultur. Zu verdanken ist diese zu einem Gutteil Johannes Stert, der seit mehr als 15 Jahren die Position des Chefdirigenten innehat. Ein Insider, der ansonsten professionell musiziert, spricht von einem Quantensprung, den das Orchester unter Sterts Leitung gemacht hat. Und der gelang offenbar gerade deshalb, weil Stert nicht aus der Blasorchesterszene kommt.

Die CD „Festliches Konzert" macht dies in jeder Hinsicht deutlich. Nicht von ungefähr ist der Dirigent in Aktion auf der Titelseite des eher spartanisch gestalteten Booklets abgebildet - bis auf ein paar Infos zu Vita der Solisten, des Orchesters und des Dirigenten ist ihm nämlich kaum etwas zu entnehmen. Um so reichhaltiger und vor allem bemerkenswerter ist das, was Stert und sein Orchester bei einer Live-Aufnahme in der Leichlinger Aula am Hammer auf die glänzende Scheibe gebannt haben. Das Programm hat mit dem, was man üblicherweise bei Blasorchesterkonzerten zu hören bekommt, so gut wie nichts gemein.

Nicht ein einziger erfolgreicher Blasmusikkomponist der Gegenwart ist zu finden - sieht man einmal ab von Jan Koetsier. Das Konzert für vier Posaunen und Blasorchester des Gründervaters der modernen Blechbläser-Kammermusik findet im Quadriga Posaunenquartett und dem Orchesterverein bestens harmonierende Partner.

Vielmehr dominieren Bearbeitungen klassischer Werke den Tonträger. Das darf nun zu keinem falschen Schluss führen, handelt es sich doch um eine Produktion eines Musikverlages, der mit der CD seine Noten vermarktet. Mit anderen Worten: Die Stückauswahl ist weitestgehend vom Auftraggeber bestimmt und weniger vom Dirigenten. Einen besseren Interpreten als den Orchesterverein Hilgen hätte der Carpe Diem Musikverlag aber kaum finden können für die Adaptionen von Werken von Rossini, Ponchielli, Puccini, Brahms, Mahler und Strauß.

Natürlich leistet der Orchesterverein mit Uraufführungen und Kompositionsaufträgen auch einen Beitrag zur Bereicherung des zeitgenössischen Blasorchesterrepertoires. Natürlich finden sich auch Film- und Unterhaltungsmusik in seinen Notenmappen. Doch ein ausgewiesener Spezialist ist Stert für Bearbeitungen klassischer Orchesterliteratur. Seine langjährige Erfahrung mit Sinfonieorchestern, insbesondere an Opernhäusern, bürgt für stilsichere Interpretationen. Der mitunter zur Schicksalsfrage hochstilisierte Konflikt zwischen Original und Bearbeitung wird angesichts von Ergebnissen, wie sie die CD „Festliches Konzert" präsentiert, nachrangig. Vorrangig ist es, ohne Kompromisse im Qualitätsanspruch gute Musik gut zu musizieren. Dem Hilgener Blasorchester gelingt dies auch bei Werken, die nicht für Blasorchester geschaffen wurden, so exzellent wie wenigen.

Daniel Gramespacher, eurowinds, Ausgabe 5/2010



Klassische italienische Nächte
Musik: Der OVH ist von seiner ersten Italien-Konzertreise am Wochenende zurückgekehrt.

Die Premiere ist geglückt: Zum ersten Mal in seiner fast 100-jährigen Vereinsgeschichte hat der Orchesterverein Hilgen (OVH) Italien besucht. Ziel waren die Regionen Ligurien und Toskana.

Vom 16. bis 22. Juli waren die 70 Musiker und ihr Chefdirigent Johannes Stert in der Stadt Sarzana untergebracht. Im Innenhof der malerischen Burg von Sarzana findet seit Jahren das für Jazz- und Popmusik bekannte Musikfestival „Sconfinando“ statt. In diesem Jahr gab es dort erstmals klassische Musik zu hören: Der OVH begeisterte vor rund 800Zuhörern mit Werken von Wagner, Respighi, Puccini, Rossini und Nino Rota. Am Tag danach spielten die Hilgener Musiker im voll besetzten Konzertsaal des mondänen Kurhotels der Stadt Camogli und konnten anschließend von der Dachterrasse den Blick auf die Halbinsel von Portofino genießen.

Zum Abschluss der Reise ein Open-Air-Konzert

Musikalischer Abschluss der Reise war dann wieder ein Openair-Konzert. In der kleinen Stadt Bagnone war extra für den OVH eine Konzertbühne auf der Piazza errichtet worden. Bagnone erreichte im August 2009 Berühmtheit durch den höchsten Lottogewinn in der Geschichte Italiens: Ein bis heute unbekannter Einwohner des knapp 2000 Einwohner zählenden Städtchens konnte sich über 147 Millionen Euro freuen. Ein anlässlich dieses Jahrestages anwesendes Fernsehteam der Deutschen Welle nutzte die Gelegenheit und zeichnete Teile des Konzertes gleich mit auf.

An den folgenden Tagen war dann Zeit für Stadtbesichtigungen von Pisa und Lucca, Jeep-Touren durch die Marmorsteinbrüche von Carrara oder einfach nur Entspannung an verschiedenen Stränden. Immerhin hatten einige Musiker eine ganze Menge auf sich genommen, um an der Konzertreise teilnehmen zu können: Ein Oboist, der mittlerweile in Schottland lebt, ist erst zum Probenwochenende von Glasgow nach Deutschland und drei Tage darauf wieder von Glasgow nach Italien geflogen, ein weiterer Musiker kam jeweils von Berlin angereist. Am Tag der Abreise waren sich aber alle einig, dass sich der Aufwand gelohnt hat und man gerne noch länger in dieser schönen Gegend geblieben wäre.

Westdeutsche Zeitung vom 26. Juli 2010

 


Serenadenkonzert: Die verwandelte Traumvorlage

serenade2010 In der Fankurve der Blasmusik: Der Orchesterverein Hilgen konnte auch nach dem ausgelassenen Feiern des deutschen Sieges über Argentinien auf sein Publikum zählen. (Foto: Barbara Sarx)

Geht das überhaupt: nach dem heisernen Röhren aus biergetränkten Kehlen wieder abkühlen auf die gediegenere Temperatur der E-Musik? Aber was heißt hier schon E-Musik? Der Orchesterverein Hilgen (OVH) bietet doch beste Unterhaltung, wenn er sich in der Kirchenkurve dem prallen Leben stellt. Und bei seinem siebten Anlauf an diesem wunderbaren Konzertort musste er am Samstag eigentlich nur noch die Traumvorlage verwandeln, die ihm der Fußball geliefert hatte. Es ist ihm gelungen.

Das Drama des Nachmittags: die Sorge um das Wetter

„Gegen diesen OVH ist jede Elf chancenlos“, hatte Bürgermeister Stefan Caplan schon bei der Begrüßung mit einer BV-Schlagzeile der vergangenen Woche gespielt. Und mit sicherem Gespür für die Auftaktpointe war ihm der OVH-Vorsitzende Martin Mudlaff mit dem Seufzer gefolgt: „War das ein Drama heute Nachmittag!“ – um nach einer Kunstpause fortzufahren: „Ständig der Blick, ob das Wetter hält.“ Am Ende hat auch das mitgespielt.

Ein deutscher, drei italienische und ein russischer Komponist für eine italienische Nacht – die bevorstehende Toskana-Tournee des Blasorchesters wirft ihre Schatten voraus. Dass Wagners Ouvertüre zu den Meistersingern das Programm eröffnet, ist dabei vermutlich dem Wunsch geschuldet, sich in Italien nicht nur vor den Gastgebern zu verbeugen, sondern auch einen musikalischen Gruß aus der Heimat mitzubringen. Wagners Wucht halten Dirigent Johannes Stert und Orchester dabei unpathetisch im Zaum, vielleicht unterstützt dadurch, dass im Gegensatz zum Vorjahr wieder ohne Lautsprecher gespielt wird.

Aber dann gleich hinein ins italienische Herz: Die Suite „Fontane di Roma“ von Ottorino Respighi erfrischt, bewegt und berührt uns mit einem Besuch an vier Brunnen Roms zu verschiedenen Tageszeiten. Und spätestens nach Puccinis „Preludio Sinfonico“ wissen wir wieder, warum die Italiener, die uns fußballerisch so oft anöden, es verstehen, mit ihrem Land, ihrer Leidenschaft, ihrem Wein und eben auch ihrer Musik unsere Sehnsucht zu wecken.

Damit das Ganze aber nicht in gondelige Gefühlsduselei abgleitet, hat der OVH noch klug den großartigen Filmkomponisten Nino Rota mit seinem Lied der Straße (La Strada) als Kronzeugen für ein anderes Gesicht Italiens benannt: Hier zeigt es sich lebensprall, nonchalant, frech, gewitzt, theatralisch.

Florentiner Marsch mit schwarz-rot-goldenen Vuvuzelas

Ob Tschaikowskys komplexes „Capriccio Italien“ wirklich zum furiosen Finale taugt, mag man diskutieren. In Burscheid jedenfalls folgen ihm Bravo-Rufe und begeisterter Applaus, sicher auch für die Kunstfertigkeit, mit der die Musiker parallel zum Spiel ihre Notenblätter im Wind bändigten.

Und als in der Zugabe drei Hornisten beim Florentiner Marsch mit schwarz-rot-goldenen Vuvuzelas für die Schlusspointe sorgen, schließt sich der Bogen eines großartigen Tages, der einen nur deshalb leicht melancholisch zurücklässt, weil man weiß, dass einem so viel Schönes auf einmal nur selten begegnet.

Der OVH steht jetzt vor einer heiklen Mission: als Orchester aus dem Land des kommenden Weltmeisters unterwegs im Land des ehemaligen Weltmeisters. Aber er zeigt sich dafür gut gerüstet. Die Herzen der gefühlvollen Italiener wird er schon gewinnen.


Ekkehard Rüger für die Westdeutsche Zeitung vom 05.07.2010

 


Im Stahlgarten der Fantasie
Mit der Kombination von Blasmusik und Industrieambiente ist dem OVH ein faszinierender Abend gelungen.

Senfpralinen überraschen uns, weil sie Vertrautes auf verblüffende Weise kombinieren. Das sind ja die beglückenden Momente des Lebens, wenn das Alltagsgrau durch einen anderen Blickwinkel in neuen Farben leuchtet. Werkleiter Heiko Glathe mochte es zunächst gar nicht glauben, dass ausgerechnet „die rustikalen Bedingungen“ seiner Gießerei als Kulisse für einen Konzertabend mit dem Orchesterverein Hilgen (OVH) geeignet sein könnten. Er ist eines Besseren belehrt worden.

Natürlich hat das viel mit der verklärten Industrieromantik der Ahnungslosen zu tun, die hier nicht täglich im Schweiße ihres Angesichts ihr Geld verdienen müssen. Aber auch wer sonst an 1500Grad heißen Öfen dazu beiträgt, dass die Ringe von Federal Mogul Weltruf genießen, musste ins Staunen geraten, welche theatralische Kraft wechselndes Scheinwerferlicht seinem Arbeitsumfeld verleihen kann.

Einer der versiertesten Türöffner für das Kino im Kopf ist die Musik – und der OVH hat die Klinke fest in der Hand. „Der Herr der Ringe“ soll es sein, was sonst an diesem Ort? Nicht die Filmmusik indes, sondern das in den 80er Jahren entstandene Erstlingswerk des Niederländers Johan de Meij.

Gerade noch hatte der OVH-Vorsitzende Martin Mudlaff gespielt verzweifelt von den vielen Auflagen und ehrlich erstaunt von der Bereitschaft des Unternehmens berichtet, für das Konzert zwei Schichten vor- und nacharbeiten zu lassen. Und schon weht hier mit den ersten Takten ein anderer Wind, den Gandalf, der Zauberer, vor sich hertreibt.

Des Dirigenten erkennbare Liebe zu den Hobbits

Das rote Blinken da hinten in der endlosen Weite der Halle: schnöde Maschinensignale oder Gollums rastlos-lauernder Augenschein? Während draußen vor den Toren die Dämmerung einbricht, nimmt uns der OVH mit auf eine musikalische Wanderung im Dunkeln, hinein in dieses Gewirr aus Trägern, Regalen und Rohren, in diesen Stahlgarten der Fantasie. Und als schließlich die kleinwüchsigen Hobbits die Szenerie betreten, ist der charmante Dirigent Scott Lawton so in seinem Element, dass ihn nur seine stattliche Körpergröße von der völligen Identifikation trennt.

„Sie haben ein wirklich virtuoses Orchester hier in Burscheid“, versichert der Amerikaner nach der Pause dem faszinierten Publikum. Und das schenkt ihm bereitwillig Glauben. Auch als Lawton die „kurze Fahrt in einer schnellen Maschine“ (Short ride in a fast machine) von John Adams zum heimlichen und schwer zu spielenden Hauptwerk des Abends erklärt. Als wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, bahnt sich der OVH im Anschluss beeindruckend akzentuiert seinen Weg durch die getriebene und komplexe Rhythmik des Stücks.

Dass Lawton in der Zugabe, dem „Lied des Eisenschmieds“, noch wirkungsvoll ein Stück Eisen mit dem Hammer bearbeitet, sollte man nicht unter dem Gesichtspunkt der Produktivität betrachten. Allein die Geste zählt. Am Ende jedenfalls steht seine Hoffnung: dass es eine Fortsetzung geben möge dieser Zusammenarbeit eines „extrem wichtigen Arbeitsortes“ und einer „extremen kulturellen Instanz“. Es ist nicht seine Hoffnung allein.


Ekkehard Rüger für die Westdeutsche Zeitung vom 26.04.2010

 

Ein Kunstgenuss der Extraklasse

Der amerikanische Dirigent Scott Lawton dirigierte den Orchesterverein Hilgen in der Gießerei von Federal Mogul - ein Kunstgenuss, zu dem 400 Besucher gekommen waren.

giesserei_klBURSCHEID - „Als mich im Dezember eine E-Mail des Orchestervereins Hilgen für ein Dirigat erreichte, wusste ich nicht so recht.“ Der witzige und völlig unprätentiöse Star des OVH-Konzertes in der Gießerei des Kolbenringherstellers Federal-Mogul (FM), der amerikanische Dirigent Scott Lawton, bat vor einer möglichen Zusage seine Babelsberger Berufsmusiker um Auskunft. „Der OVH, das sind die Guten“, erklärten sie ihrem Chef.
Und so war es auch. Die intensive Arbeit mit OVH führte zum einem Premieren-Kunstgenuss der Extraklasse - 400 Besucher zollten frenetisch Beifall. Das Konzert „Herr der Ringe“ wird in die Annalen des Vereins eingehen. Die Symbiose zwischen dem Dirigenten und einem der führenden sinfonischen Blasorchester war mehr als geglückt. Großen Anteil am Erfolg hat das Werk. Federal-Mogul hatte dem vom OVH-Vorsitzenden Martin Mudlaff geäußerten Wunsch für den Aufführungsort nach kurzer Überlegung zugestimmt - „Herr der Ringe“ war passgenau. Dafür mussten Werkleiter Heiko Glathe und seine Mitarbeiter in der Maschinenhalle mit den 1500 Grad heißen Gießereiöfen allerhand Opfer bringen - zwei Schichten wurden vor- und nachgearbeitet. Festlich vom OVH illuminiert und mit 400 Stühlen vom städtischen Bauhof ausgestattet, präsentierte sich die Gießerei auch für Geschäftsführer Michael Hedderich im völlig ungewohnten Ambiente. Beim Konzert selbst trieb Lawton das Orchester akkurat durch die fünf Sätze „Gandalf, Lothlorien, Gollum, Wanderung und Hobbits“ der Sinfonie Nr. 1 „Herr der Ringe“ des in den 80er Jahren entstandenen Erstlingswerk von Johan de Meij. Nach der Pause dann ein großes Kompliment: „Sie haben hier in Burscheid ein wirklich virtuoses Orchester.“ Im zweiten Teil überzeugte der OVH nach Ernst Tochs „Spiel für Blasorchester“ mit John Adams „Short Ride in a Fast Machine“. Lawton erklärt das schwer zu spielende Stück zum „Hauptwerk des Abends“. Da sind die Musiker mit Präzision und Virtuosität fast schon in einen Spielrausch. Die Zugabe, das „Lied vom Eisengießer“, dirigiert Lawton im von Gathe überreichten silbrigen Gießerei-Schutzmantel, schlägt Synkopen mit einem Hammer auf ein Stück Eisen.

 

Von Timm Gatter, Kölner Stadtanzeiger vom 27.04.10

 

Gieserei als Konzertsaal

Orchesterverein Hilgen führte "Herr der Ringe" an einem ungewöhnlichen Ort auf

giesserei2_klEs gehörte zu einem der herausragenden Konzertereignisse, die jemals in Burscheid veranstaltet wurden. Der Orchesterverein Hilgen, eines der führenden sinfonischen Blasorchester Deutschlands, präsentierte in der Gießerei von Federal Mogul „Herr der Ringe" und sorgte damit für ein, sowohl akustisch als auch visuell, außergewöhnliches Konzerterlebnis. Die rund 400 Zuschauer tauchten ein in die mystische Welt von  Zauberern, Gollums und Hobbits, die Stahllandschaft um sie herum heizte dabei die Fantasie noch an. Die Ofenbühne des Werks II wurde zur Konzertbühne. Maschinen, Rohre, Träger, Öfen sorgten für die passende  Kulisse eines Industriekonzerts. Die Kombination aus der derben, nüchternen Werkshalle und dem  märchenhaften Musikthema zauberte eine unvergleichbare Konzertatmosphäre. Mit Hilfe von  Scheinwerfern rückten die normalen Produktionsprozesse an 150 Grad heißen Öfen in ein anderes, beinahe romantisches Licht. Sowohl die Musik als auch die Fabrikhalle partizipierten voneinander und ergänzten  sich gegenseitig. Mit Charme und Humor führte Dirigent Scott Lawton durch das Programm. „Wer hätte  gedacht, dass es in Burscheid eine Bühne für das gesamte OVH-Orchester gibt", freute sich der Vorsitzender  Martin Mudlaff und stellte den „wahren Herrn der Ringe", Geschäftsführer Michael Hedderich, vor. Bei einer Werksbegehung habe man sich für die Gießerei als optimalen „Veranstaltungssaal" entschieden. Weitere  Kooperationen seien denkbar.

 

Von Sabine Schnura, Lokale Informationen Burscheid, 5. Mai 10


 

Im Märchenwald ging es munter zu

 

„Hänsel und Gretel“ kamen bei den Besuchern des 6. Familienkonzertes im voll besetzten Stadttheater gut an.

Im Märchenwald der Knusperhexe Rosina Leckermaul war zwar vor dem azurblauen Bühnenhintergrund kein einziger Baum zu sehen. Dafür ging es diesmal jedoch besonders munter zu, als sich „Hänsel und Gretel“ im tiefen Wald verirrten und in die Fänge der bösen Hexe gerieten. Dafür sorgten 60 Tänzerinnen und Tänzer des Ballettstudios Rotraud Hantke, die im Mittelpunkt des 6. Familienkonzerts standen und als Elfen, Grashüpfer, Hasen, Engel, Affen und vielem anderen Getier den Wald belebten. Die jungen Besucher im voll besetzten Stadttheater hatten ihre Freude an dem märchenhaften Spektakel, auch wenn sich mancher der Allerkleinsten besonders eng an die Mama kuschelte, als die gar nicht so garstige Hexe von der Bühne ins Parkett stieg.

Kinder sangen fleißig mit

Meist beteiligten sie sich unüberhörbar an dem schaurig-schönen Spiel und sangen die Lieder auch fleißig mit. Und nicht zuletzt das wie einem Bilderbuch entsprungene pittoreske Hexenhaus sorgte für Staunen.

Annette Willuweit führte als Putzfrau, die sich versehentlich in die Aufführung verirrte, munter durch die gut einstündige Produktion. Sie ist auch für die Textfassung und Gesamtleitung verantwortlich. Die Musik bestritten neun Blechbläser des „Orchestervereins Hilgen“ aus Burscheid, die unter Leitung von Tobias Füller das Schönste aus Humperdincks beliebter Märchenoper in geschickten Arrangements von Hans-Joachim Drechsler zum Besten gaben. Da fehlte vom Abendsegen bis zum Hexenritt nichts, was gefällt. Und die ungebrochene Frische Musik animierte die jungen Tänzerinnen in der Choreografie von Rotraud Hantke zu originellen, altersgemäßen Tanzeinlagen. Die Kleinen ab vier Jahren tummelten sich als Tautropfen und Grashüpfer auf der Bühne, die Älteren als Jazz-Hexen und Spinnen. Ein Sonderlob verdienen Aidan Chaumet und Jil Rackwitz für ihre charmante Darstellung der beiden Titelhelden.

Begeisterter Beifall für einen fantasievollen und kurzweiligen Nachmittag.

 

Von Pedro Obiera für "Der Westen" vom 21. April 2010


osb_wzjBurscheid. Der Orchesterverein Hilgen (OVH) will in der Nachwuchsförderung eigene Wege gehen: Mit der bereits erfolgten Gründung des Vereins „Orchesterschule Burscheid – Musikschule des Orchestervereins Hilgen“ sind die Voraussetzungen geschaffen, um ab Ende Februar Kindern und Jugendlichen Unterricht bei professionellen Orchestermusikern zu ermöglichen.

Günter Haas, Vorsitzender der Orchesterschule, formuliert dabei das „gemeinschaftliche Musizieren“ als ausdrückliches Ausbildungsziel: „Musik ist Mannschaftssport.“ Die Lehrer arbeiten unter anderem bei den Bergischen Sinfonikern, dem Gürzenich-Orchester Köln und dem WDR-Rundfunkorchester.

Niedrige Unterrichtskosten durch „idealistische Tarife“

Trotzdem liegen die Unterrichtskosten ungewöhnlich niedrig. „Wir leisten die Verwaltung der Einrichtung ehrenamtlich und unentgeltlich“, kündigt Haas für den Verein an. Und bei den Orchestermusikern habe man mit der Idee offene Türen eingerannt, eine verlässliche Verbindung zwischen den Einzelschülern und der Orchesterwelt zu schaffen. Sie seien daher bereit, für „idealistische Tarife“ zu unterrichten.

Erste Gespräche mit Sponsoren sind erfolgt, womöglich können die Tarife so noch weiter gesenkt werden. Auch Stipendien sind angedacht.

Zwölf Lehrerinnen und Lehrer wurden bereits für das Projekt gewonnen. Zum Start wird mit etwa 40 Schülern kalkuliert. Die Orchesterschule will neben dem Einzelunterricht kontinuierlich das gemeinsame Musizieren fördern, regelmäßige Auftrittsmöglichkeiten schaffen und feste Probenbesuche der professionellen Orchester einrichten.

Eng soll auch die Verbindung zu den Musikus-Nachwuchskonzerten des OVH sein. Die künstlerische Leitung der Orchesterschule übernimmt der langjährige OVH-Dirigent Johannes Stert. Unterrichtsmöglichkeiten bestehen unter anderem in der Hauptschule und im evangelischen Gemeindezentrum Hilgen-Dünweg.

Der OVH sieht sein Projekt trotz der zurückliegenden Zerwürfnisse nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur bestehenden Burscheider Musikschule. Dort will der Verein aber seine Vorstandsmitgliedschaft ab sofort ruhen lassen.


Von Ekkehard Rüger, Westdeutsche Zeitung vom 30.01.10

 



„Wir haben offene Türen eingerannt“

Mit der „Orchesterschule Burscheid“ will der OV Hilgen ab Ende Februar mit dem Unterricht in der Hauptschule beginnen. Zwölf professionelle Musiker wollen als Dozenten für 40 Schüler tätig werden.

Burscheid - Seit dem Wochenende ist die Musikstadt Burscheid um eine Facette reicher: Der Orchesterverein Hilgen 1912 (OVH) stellte nach langer Vorbereitungszeit im Hotel Schützenburg sein neuestes Kind vor. Mit der vor kurzem gegründeten „Orchesterschule Burscheid e.V. - Musikschule des Orchestervereins Hilgen“ will der Verein ab Ende Februar mit dem Unterricht in der Hauptschule beginnen. 40 Kinder und Jugendliche dürften nach Erkenntnissen der Initiatoren dabei sein.

Dabei sieht der Vorsitzende Günter Haas die Ressourcen für die neue Einrichtung nicht nur in Burscheid, sondern auch in den umliegenden Kommunen. Mittlerweile haben zwölf professionelle Musiker ihre Bereitschaft erklärt, als Dozenten tätig zu werden. Diese arbeiteten hauptberuflich unter anderem bei den Bergischen Sinfonikern, im Kölner Gürzenich-Orchester und dem Rundfunkorchester des WDR, sagte Haas. „Mit unserer Idee, eine verlässliche Verbindung zwischen Einzelschülern und Orchesterwelt zu schaffen, haben wir offene Türen eingerannt“, freut sich der Vorsitzende.

Zwei Musiker arbeiteten bislang für die Musikschule Burscheid. Eine Konkurrenz zu dieser Einrichtung schließt der Vorstand aus; eher sehe man sich als Ergänzung, um die „Palette der Musikschule zu erweitern“, sagte Martin Mudlaff. Die einstigen Zerwürfnisse und Streitigkeiten zwischen Musikschule und OVH hätten mit der Neugründung nichts zu tun. „Wir stehen Schulter an Schulter“, versicherte Mudlaff. In einem gemeinsamen Gespräch in „konstruktiver Atmosphäre“ mit Bürgermeister Stefan Caplan und den Vorstandsvertretern von Orchesterschule und Musikschule habe das Stadtoberhaupt das Konzept begrüßt, aber auch auf die unangefochtene Stellung der Musikschule bestanden. In der Musikschule will der Verein seine Vorstandsmitgliedschaft ab sofort ruhen lassen. Die Verwaltungsarbeit leistet der Verein ehrenamtlich und unentgeltlich.

„Idealistische Tarife“

Die Orchestermusiker verantworten mit ihren „idealistischen Tarifen“ den fachlichen Bereich. Haas betonte die Nachhaltigkeit des Projektes zur Nachwuchsförderung mit qualifizierten Einzelunterricht und gemeinschaftlichen Musizieren: „Musik ist ein Mannschaftssport.“ Zum Leistungsspektrum zählen ebenso regelmäßige Auftritte in einem Kinderorchester wie die enge personelle Verknüpfung mit Profi-Orchestern, Probenbesuchen und die Verbindung zu den Musikus-Nachwuchsprojekten des OVH. Die künstlerische Leitung liegt in Händen des renommierten OVH-Dirigenten Johannes Stert.

Unterrichtet wird in der Hauptschule und im Evangelischen Gemeindezentrum in Hilgen-Dünweg. Die Unterrichtskosten seien niedrig kalkuliert, hieß es: Für wöchentlich 30 Minuten Unterricht werden jährlich 504 Euro, für wöchentlich 45 Minuten 684 Euro erhoben.


Von Timm Gatter, Kölner Stadtanzeiger vom 02.02.10


In knapp einer Stunde zum Orchestermusiker

hhmm10_wzBurscheid. „Welche Instrumente waren das?“, fragt Moderatorin Annette Willuweit, nachdem der Orchesterverein Hilgen (OVH) wieder ein kleines Klangbeispiel aus Johan de Meijs Sinfonie „Der Herr der Ringe“ gegeben hatte. „Die da drüben“, schallt es ihr aus der Kinderschar entgegen. Auch wenn die Instrumentennamen noch nicht geläufig sind, die akustische Ortung funktioniert schon sehr ordentlich.

Musikus-Zeit in der Hauptschulaula, das heißt: Die wichtigsten Adressaten des Konzerts, nämlich die Kinder, kommen auf die Bühne. Ihnen zu Füßen hat sich der OVH arrangiert und folgt den Anweisungen seines originellen neuen Projektdirigenten Scott Lawton. Und auf den Stufen drumherum hocken Eltern und Verwandte. Da bleibt in der Aula nicht mehr viel Platz.

Tanzen wie die Hobbits

Aber was heißt schon Aula? Annette Willuweit nimmt ihre kleinen Zaungäste mit auf auf einen musikalischen Spaziergang durch den Zauberwald: mit Blumen, Vögeln, Wind, Elfen – und einem großen Schreck.

Der kommt musikalisch so bedrohlich und laut daher, dass manche Kinder mit den Händen zu den Ohren greifen. Als dann später noch das wesentlich freundlichere Motiv für die kleinen Hobbits zu hören ist, gilt das als Einladung an die größengleichen Zuhörer zum Tanz.

Doch das ist erst der Auftakt des Mitgestaltens: Ehe die Kinder in der Aula und manchen Nebenräumen nach Herzenslust alle Blasinstrumente selbst ausprobieren können, werden sie mit Rhythmusinstrumenten ausgestattet, in drei Gruppen aufgeteilt und innerhalb des OVH aufgestellt, von wo aus sie gebannt auf das Einsatzzeichen des Dirigenten warten. In knapp einer Stunde zum Orchestermusiker – eine beachtliche Karriere für einen Konzertnachmittag.

Für den OVH war das Musikus-Konzert „Hör hin – mach mit“ auch als offizielle Eröffnung der eigenen Orchesterschule gedacht, wobei die meisten der sehr jungen Zuhörer eher für den Musikgarten und die musikalische Früherziehung in Betracht kommen als schon für den Unterricht an einem der angebotenen Blasinstrumente.

Unter diesen gibt es beim Nachwuchs einen offenkundigen Favoriten: Die Querflöte ist an diesem Nachmittag das mit Abstand meistgenannte Instrument. Nicht immer mit Berechtigung. Beim „großen Schreck“ wären die Pauken die bessere Antwort gewesen.

Auftakt Das Musikus-Konzert galt zugleich als Auftakt- veranstaltung der neuen Orchesterschule des OVH. Etwa 15 Anmeldungen, verteilt auf die verschiedenen Instrumente, liegen nach Angaben des Leiters Günter Haas inzwischen vor. Drei bis vier Schüler pro Instrument müssen angemeldet sein, damit der Unterricht starten kann.

Von von Ekkehard Rüger, Westdeutsche Zeitung vom 01.03.2010

 

An die Instrumente

Die OVH-Orchesterschule ist mit der Resonanz sehr zufrieden: 80 Kinder schauen sich um. Bei der Gründung Ende Januar hatte der Vorstand für den Start mit rund 40 Schülern kalkuliert.

Burscheid - Das Sturmtief Xynthia konnte der Premiere der neuen "Orchesterschule Burscheid" des Orchestervereins Hilgen 1912 (OVH) am Sonntag in der Friedrich-Goetze-Schule nicht viel anhaben. Zwar hatten viele musikbegeisterte Eltern die Warnungen der Wetterfrösche beherzigt und waren zu Hause geblieben. Doch für den Vorsitzenden der Einrichtung, Günter Haas, und sein Team gab es noch genug zu tun: "Über 80 Kinder mit ihren Eltern sorgten für eine turbulente Eröffnung - das ist ein zufrieden stellendes Ergebnis." Nun müsse erst abgewartet werden, in wie weit die Eltern ihre Kinder verbindlich anmelden, ergänzte Haas.

Bei der Gründung Ende Januar hatte der Vorstand für den Start mit rund 40 Schülern kalkuliert. Die Idee, eine ebenso verlässliche wie nachhaltige Verbindung zwischen Einzelschülern und professioneller Orchesterwelt zu schaffen, hat jedenfalls schon jetzt in der Musikstadt Burscheid und den umliegenden Kommunen großes Interesse hervorgerufen. Die "neuen Wege in der Nachwuchsförderung", so Haas, belegte am Premierentag in der Aula das "Hör hin - mach mit"-Kinderkonzert aus der Reihe "Musikus - das junge Programm des OVH". Im Anschluss daran konnten sich die Besucher in den Klassenräumen einen Überblick über die Unterrichtsfächer verschaffen. Das klang hübsch laut und manchmal auch ein bisschen schräg.

"Die Kinder haben sich riesig gefreut - sie durften sämtliche Instrumente des Orchesters ausprobieren", erklärte Dozentin und Musikpädagogin Anette Willuweit. Die Eltern wurden anschließend in Beratungsgesprächen über die musikalischen Förderungsmöglichkeiten ihrer Sprösslinge aufgeklärt.

"Spinne im Netz"

Nicht ohne Stolz betonte Haas, dass die ersten musikalischen Schritte der Kinder und Jugendlichen in der Orchesterschule von professioneller Hand begleitet und gefördert wird: "Die Instrumentalausbildung vermitteln überwiegend Berufsmusiker umliegender Sinfonieorchester." Dazu zählen etwa die Bergischen Symphoniker ebenso wie das Gürzenich Orchester Köln, WDR-Rundfunkorchester und die Duisburger Philharmoniker.

Im Zusammenhang mit den "neuen Wegen" attestierte Haas der Musikstadt Burscheid eine "ungewöhnliche Situation": "Wir sind hier zwischen den großen Orchestern wie eine Spinne im Netz." Da sei ihm um die musikalische Nachwuchsförderung nicht bange.

Von Tim Gatter, Kölner Stadtanzeiger vom 02.03.2010

 
 

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